Somatic Experiencing® – Hilft das bei Trauma?

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neugieriger tiger

25. Februar 2025 in Fachbeiträge 

aktualisiert am: 21. Juli 2025

Somatic Experiencing® (SE)
nach Peter Levine

Trauma losw*erden durch
Verbindung zur Körpersprache

Der Tiger schlich lautlos geduckt durchs hohe Gras. Seine Muskeln spannten sich an, bereit zum Sprung. Nina spürte plötzlich, wie ihr Herz raste, ihre Beine wurden schwer, ihr Atem stockte als sie den Tiger sah. Dieses Mal war sie nicht gefangen in ihrer Angst, sondern sie rannte los und durchbrach die unsichtbare Mauer der Erstarrung. Dieser Moment verhalf Nina erstarrte Energie in Bewegung zu bringen.
Nina war Peter Levines erste Klientin. Die Idee, sich einen jagenden Tiger vorzustellen, kam ihm intuitiv – als wäre sie aus einem fernen, weisen Teil des Universums zu ihm geflüstert worden. Seitdem ist der Tiger das Symbol von Somatic Experiencing®.
SE ist eine Methode, die Menschen hilft, ihre tief im Körper gespeicherten Energien, die durch Trauma eingeschlossen werden, sanft zu lösen. „Trauma-Heilung: Das Erwachen des Tigers“ ist Levines erstes Buch.

Die verborgene Sprache des Körpers

Somatic Experiencing® (SE) ist eine körperorientierte Methode, die auf die Weisheit des Nervensystems vertraut. Trauma ist keine blosse Erinnerung an ein Ereignis. Im Moment des Ereignisses erstarrt Energie und lebt als Stress in der Muskulatur, im Atem, in der Verdauung, in der elektrischen Spannung der Nerven. Unvollständig. Die natürliche Abrundung ist gestört und unterbrochen. SE basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, in Begleitung diesen Prozess zu vollenden bzw. abzurunden, indem die Energie im gesamten Körper verteilt wird.

Der Ursprung von Somatic Experiencing®

Dr. Peter Levine, Biophysiker und Psychologe, begann seine Forschungen, indem er beobachtete wie Tiere in freier Wildbahn auf Stress reagieren: Gejagt werden, Jagen ohne Erfolg.
Er stellte fest, dass Tiere trotz regelmässig ausgesetzten Bedrohungssituationen nicht unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder Depressionen leiden.
Der Grund liegt in der natürlichen Fähigkeit der Tiere, nach stressigen oder lebensbedrohlichen Ereignissen den Stresszyklus zu vervollständigen: Sie zittern, schütteln sich, rennen oder hüpfen freudig, um die überschüssige Energie aus dem Körper zu entladen. Anschliessend kehren sie zur Ruhe zurück.
Beispielsweise kannst du das Phänomen beobachten, wenn Pferde oder Kühe nach langem Stallaufenthalt auf die Weide gelassen werden. Sie bewegen sich sehr freudig und intensiv, um die „Stall-Steh-Energie“ zu entladen.


Falls Tiere sich Tod stellen müssen, um zu überleben, entladen sie diese Energien, sobald sie eine Chance zur Flucht bemerken und die Situation ein bisschen sicher scheint.
Menschen hingegen verlieren oft diese natürliche Fähigkeit und bleiben in einem inneren Alarmzustand gefangen.
Nicht umsonst stellen sich die beiden Opossums «Crash und Eddie» aus «Ice Age» in Gefahrensituationen Tod. Manchmal passt ihre natürliche Reaktion nicht zur Filmsituation.
Nicht umsonst wartet eine Gazelle reglos mit dem Kopf im Kiefer des Geparden. Ihre Muskeln sind schlaff, ihre Atmung kaum wahrnehmbar, ihr Herz steht still. Sie sieht aus, als hätte sie sich dem Tod ergeben. Als sich plötzlich eine Hyäne nähert und den Jäger ablenkt, wittert die Gazelle die Chance zur Flucht. Als erstes nimmt sie einen tiefen Atemzug, bebt, schüttelt sich und setzt den beinahe gescheiterten Fluchtversuch fort. Sie entkommt dem Schatten des Todes und damit einem Trauma.

Menschen tragen diesen Instinkt ebenfalls in sich, doch oft ist die natürliche Reaktion blockiert. Statt zu rennen oder zu kämpfen, erstarren wir in der Vergangenheit, unsere Körper halten an der Erinnerung fest, als wäre die Gefahr nie vergangen. Die überschüssige Energie setzt sich im Nervensystem fest. Diese festgehaltene Energie kann langfristige Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit haben, was zu Entwicklungstrauma, Bindungstrauma, chronischem Stress, Depressionen oder anderen Erkrankungen führen kann. Somatic Experiencing® zielt darauf ab, den natürlichen Rhythmus wiederherzustellen und den Fluss der Lebensenergie in Bewegung zu bringen.

Das Nervensystem verstehen: Kampf, Flucht, Erstarren

Unser Gehirn besteht aus 3 großen Arealen:

  1. Das Stammhirn – unser ältester Teil, der für Überleben und normale Lebensfunktionen sorgt. Es wird auch Reptilienhirn genannt und reguliert Atmung, Herzschlag, hält den Blutkreislauf aufrecht, lässt die Verdauung niemals stocken, Hunger und Durst und koordiniert unsere Bewegungen. Nerven in den Muskeln werden aktiviert. Sie unterscheiden zwischen heiss und kalt, zwischen weich und hart, zwischen oben und unten, zwischen vorne und hinten, zwischen süss und sauer, zwischen angenehm und unangenehm. Gänsehaut bzw. Hühnerhaut. Es geschieht einfach. Dafür können wir dankbar sein.

Angst, Neugier, Trauer und Ärger sind Gefühle, die wir bereits bei der Geburt kennen.
Der automatisch eingerichtete Überlebensmechanismus: Wenn der Tiger kommt, ist das Stammhirn zuständig, rasant zu erkennen, wann angebracht ist, sich in Sicherheit zu bringen. Es entscheidet blitzschnell, ob wir bei Gefahr kämpfen, flüchten oder uns todstellen bzw. ohnmächtig werden.

  1. Das limbische System – hier wohnen unsere Gefühle, unsere Bindungen. Entwicklungsgeschichtlich ist dieser Bereich jünger als das Reptiliengehirn. Freude, Ekel, Leichtigkeit, Anstrengung und Differenzierung von Angstsorten werden in diesem Hirnareal gesteuert. Vertrauen, Sicherheit, Ehrlichkeit, Würde, Aufrichtigkeit. Es beginnt sich im Alter von 3 Monaten zu entwickeln.

Manche Gefühle erzeugen in uns Bilder wie Ameisenprickeln, Glühwürmchentanz, aufsteigende Sektbläschen, die eindeutig bestimmten Körperbereichen zugeordnet werden können.

  1. Der präfrontale Kortex – unsere willentliche Steuerzentrale, die für Denken und bewusste Entscheidungen zuständig ist. Wir sprechen, denken und imaginieren Bilder. Unsere Weisheit und Beobachtungsgabe leben hier. Unsere Grosshirnrinde ist entwicklungsgeschichtlich am jüngsten.
    Ein Kind baut all die Nervenautobahnen in diesem Bereich im Alter von ca. 12 Monaten bis hin zum 20. Lebensjahr aus. Im Grosshirn werden unsere Erinnerungen gespeichert und abgerufen.

Wo bleiben nur die Erfahrungserinnerungen, die in den ersten 12 Lebensmonaten oder während der Schwangerschaft entstanden sind?
Der Biologe Bruce Lipton wiess nach, dass sich diese Erfahrungen in jeder Körperzelle einlagern. Er ist Autor des Buches «Der Healing Code».
Bessel van der Kolk nannte sein literarisches Forschungswerk: «Verkörperter Schrecken».
Tritt ein traumatisierendes Ereignis auf, wird das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen den 3 Hirnarealen gestört. Es entstehen Erinnerungssplitter. Das Nervensystem gerät durcheinander. Der Mensch kann in ungefährlichen Phasen beispielsweise von heftigen Gefühlen überflutet werden oder gar nichts mehr empfinden. Somatic Experiencing® setzt dort an, wo die Erinnerung im Körper und den Nervenzellen gespeichert ist, und hilft, die blockierte Energie sanft in Schwingung zu versetzen. Die Schwingungsenergie ist der «goldene Klebstoff», der die Erinnerungssplitter verbindet und eine ganzheitliche abgerundete Erfahrung ermöglicht. Abrunden erdet und innere Sicherheit entsteht.

Ohne Einbeziehen des Körpers, ohne Metaphern, die der Körper hervorbringt, ohne Bewegung, ohne achtsame Beobachtungsgabe funktioniert SE nicht.
Du willst beweisen, dass es doch anders geht? Du hast es bis jetzt immer allein geschafft?
Im Ereignis des Traumas ist der Betroffene meistens allein. Niemand ist bei ihm, während die Person von Gefühlen und Emotionen überwältigt wird. Niemand spiegelt, dass du als Mensch «richtig bist wie du bist».
Das ist bedauerlicherweise einer der Hauptgründe, der Trauma entstehen lässt. Weil du allein warst und keine Hilfe da war als du sie am dringlichsten brauchtest. Zu diesem Zeitpunkt verbinden sich Teile, die nicht zusammen gehören und treiben im späteren Leben ihren «Unfug», indem sie plötzlich überreagieren.
Beispielsweise reicht ein Wort aus, das dich grundlos zu Tränen rührt. Es kann ein anderes Wort ausreichen, das du beiläufig im Radio hörst und dazu führt, dass du wie hypnotisiert einschläfst. Du weisst genau, diese Reaktionen sind unnormal und du dennoch kannst du sie nicht stoppen. Der Körper speichert traumatische Ereignisse auf seine Weise.
Viele Jahre kannst du dein Leben gestalten und eines Tages sagt dein Körper dir: «NEE, aufhören. Ich will, dass du mich verstehen lernst und mir zuhörst.»
Möglicherweise beginnst du eine Odyssee von Arztbesuchen. Selten werden Ärzte zu diesen Symptomen und Diagnosen eine Beziehung zu möglichen traumatischen Ereignissen herstellen. Psychopharmaka werden es richten!
Somatic Experiencing® richtet sich ans Stammhirn. Im Stammhirn werden automatisch Kampf- Flucht und Erstarrung im Gefahrenfall organisiert. Im Trauma werden die natürlichen Abläufe unterbrochen und finden kein Ende. Das Zentrale Nervensystem (ZNS) ist durcheinander geraten.

4 wichtige Zutaten und 2 grundlegende Fragen
über die sich dein Nervensystem freut

  1. Die Kunst der feinen Schritte: Abrunden durch Titration

SE arbeitet mit sanfter Neugier. Der Körper darf in kleinen Schritten (Titration) seine Erinnerungen verarbeiten, ohne erneut überwältigt zu werden. Eine der wichtigsten Fragen dabei lautet: «Was geschieht als Nächstes?» – Sie hilft, den natürlichen Fluss der Körperempfindungen wiederzuerwecken.

  1. Einladen des Gegenteils: Verbindung durch Pendulation

Ein weiteres Element ist die Pendulation – das behutsame Wechseln zwischen Sicherheit und Herausforderung. Mit der zweitwichtigsten Frage werden Aspekte identifiziert, die verbunden werden möchten: «Was ist das Gegenteil?» Wie das sanfte Wiegen eines Schiffes auf dem Ozean hilft es pendeln dabei, alte Wellen der Angst allmählich zu glätten.

  1. Verlangsamen: alle Zeit der Welt nutzen

«Wir haben alle Zeit der Welt» auch in unseren letzten 15 Minuten einer Sitzung. Im «Schildkrötentempo» bekommt die innere Wahrnehmung den Raum, den sie benötigt, damit Somatic Experiencing® nachhaltig wirksam werden kann. So absurd es klingen mag, die Nervenbahnen im Darm möchten dazugehören. Sie sind deutlich langsamer als diejenigen im Kopf.

Laden wir ab und an die 150 Jahre alte Schildkröte «Crash» aus «Findet Nemo» in eine Sitzung ein. Schildkröten haben es drauf, im Stress Gelassen zu bleiben.
Mit der Zeit wächst die innere Weisheit. «Die uralte Morla» lebt in den traurigen nebligen Sümpfen der «unendlichen Geschichte von Michael Ende.»
Menschen mit Trauma erleben häufig Traurigkeit und Nebel. Der Hornberg in der Geschichte ist der Gipfel. Der Gipfel des Schutzpanzers einer sehr weisen Schildkröte mit reichlich Geduld für sich.
Langsamkeit führt nicht zur Langeweile, sondern in eine spürbare Weisheit.

  1. Co-Regulation: das Containment, das damals fehlte

Die mitfühlende und wohlwollende Begleitung fehlte im Augenblick des traumatischen Ereignisses. Das Nervensystem benötigt die begleitete Erfahrung in einem sicheren und geborgenen wohlwollenden Raum.
Je vertrauter der SE Practitioner mit dem eigenen Spürgewahrsein ist, desto leichter kann die Begleitperson auf die energetischen Schwingungen des Klienten eingehen. Der innere Rhythmus, der im Klienten durch Trauma gestört wurde. Der innere Rhythmus, der wieder hergestellt werden möchte. Der Rhythmus, dem die Synchronisation fehlte, um im Takt mitschwingen zu können.

Die Magie der Verkörperung

Abrunden geschieht nicht durch Denken allein. Es geschieht, wenn die Körperweisheit wieder Raum bekommt. Ein Zittern, ein tiefer Atemzug, ein unbewusstes Seufzen – all das sind Zeichen, dass sich das Nervensystem neu sortiert.
Und vielleicht spürst du jetzt, während du diese Worte liest, einen leichten Schauer auf deiner Haut oder ein angenehmes Prickeln in deinen Fingern. Vielleicht hat sich etwas in dir entspannt.
Der Tiger in dir beginnt, sich zu strecken – vielleicht sogar wie der Tiger «Richard Parker» aus «Life of Pi» bzw. «Schiffbruch mit Tiger», der sich nach einem langen Sturm auf dem Rettungsboot langsam von seiner Seekrankheit erholt.
Jeder Mensch besitzt eine innere jagende Tigerkraft und eine vor dem Raubtier flüchtende Mobilisierung. Jeder Mensch enthält eine soziale Fähigkeit genügend Distanz zu wahren und Nähe und Verbindung zu schaffen. Pi und Tiger «Richard Parker» haben nach und nach einen Weg gefunden, sich gegenseitig zu beschützen und retten. Denn ohne Pi kommt der Tiger nicht zurück an Land. Ohne Tiger würde Pi manches Abenteuer nicht überleben.

Verbunden-Sein und Verbundenheit

Somatic Experiencing® lädt uns ein, wieder in Kontakt mit uns selbst zu treten – nicht nur mit unseren Gedanken, sondern auch mit den feinen Signalen unseres Körpers. Wenn wir lernen, diese Sprache zu verstehen, können wir Verbunden-Sein zum ICH und Verbundenheit zum Gegenüber auf eine ganz neue Weise erleben. Denn in diesem Raum zwischen Spannung und Entlastung, zwischen Bewegung und Ruhe, geschieht wahre Transformation.

Und was hat das mit Farbendrachen zu tun?

Falls du schon einmal einem Farbendrachen begegnet bist – sei es in einem Märchen oder in deinem eigenen Inneren – weißt du, dass seine Farben für alle die Emotionen stehen.
Er kann mit wütend roten Schuppen anderen Angst einflössen, und mit grünen Schuppen ruhig und beschützend wirken.
Und genau wie der Tiger in Peter Levines Logo, wartet der Farbendrache in dir darauf, geweckt zu werden. Er muss nicht mehr gegen dich kämpfen oder Chaos stiften – er kann seine Kraft nutzen, um neue Wege zu fliegen.
Vielleicht ist dein Tiger ein Farbendrache. Vielleicht spürst du, dass etwas in dir darauf wartet, sich zu bewegen. Und wer weiß – vielleicht ist das erste Anzeichen nicht ein lautes Brüllen, sondern nur ein leises, wohliges Schnurren.
Oder ein freches Kichern – so wie das der Opossums «Eddie und Crash» aus «Ice Age», die immer wieder zeigen, dass Bewegung und Lebendigkeit oft mit spielerischem Erkunden beginnen.
Sind Farbendrachen in der Lage sich gegenseitig zu helfen und ein inneres Chaos zu ordnen?
Finde es in der Geschichte der Farbendrachen Mary und George heraus.

Ich winke dir zu, Neugier-Tiger.

Als neugierige Scannerperson nehme ich mir täglich Zeit für meinen persönlichen Fokus-Walk in der Natur und nutze ihn, u.a. für neue Inspirationen zu Drachengeschichten. Ich trinke am liebsten Tee, schreibe gerne und fotografiere unterwegs u.a. bei 80 km/h als Sozia auf dem Motorrad. Verlangsamung als Gewinn in meiner Lebensqualität zeigt sich, wenn wir mit unserem hammerschlag-grünen Oldtimer-Traktor unterwegs sind. Ich koche täglich möglichst frisch und verwende kaum Fertigprodukte. Nüsse, Schokolade, Lakritze und Karotten nasche ich, wenn mein Stresspegel zu hoch ist. Meinen Tag beginne ich mit einem gewinnenden Lächeln und runde ihn mit einem Schluck sanften Whiskys fürs Herz ab.

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